Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Meier,

Belogen und Betrogen - Nun muss die Entschuldigung her.
in diesem Schreiben möchte ich mich offenkundig für mein Fehlverhalten Ihrer Tochter gegenüber entschuldigen.
Auch wenn ich es ungern zugebe, muss ich gestehen, dass ich ein Paradebeispiel dessen bin, was die Gesellschaft als „Verfall der Romanik“ anprangert. Das Drama fing an, als ich Ihre Tochter am Silvester letzten Jahres kennen lernte. Während der groß angelegten Neujahrsfeier bei einem gemeinsamen Freund kamen wir uns unter dem flammenden Firmament sehr nahe. Meine Gefühle verlangten nach weiblicher Gegenwart. Wie Sie vielleicht wissen, Herr Meier, sind diese im Rausch des Alkohols gänzlich andere – sexueller Art.
Ihre Tochter viel mir direkt ins Auge. So kam es, dass wir uns nach einigen Minuten innig küssten und nicht voneinander ließen. Nun Herr und Frau Meier, mag man das als ziemlich romantisch betrachten, gäbe es nicht noch einen zweiten Teil. Ich bitte Sie sich diesen, trotz der in Ihren Augen obszönen und abstoßenden Inhalte, nicht zu überspringen, da es für den weiteren Verlauf meines Schuldgeständnisses eine unverzichtbare Grundlage bildet.
Ich lud Ihre Tochter auf einen Tee zu mir nach Hause ein. Jedoch hatte ich schon fest im Hintergedanken, sie zu verführen. So kam es, dass wir, das wir im Bett landeten und vier verschiedene Sexstellungen austesteten und so die Penetration in unser beider Interesse doch recht vielfältig war (Missionar, Doggystyle, Wiener Auster, Löffelchen). Die Begattung Ihrer Tochter zog sich in die Länge und war intensiv. Doch erlaubte ich mir die Unverschämtheit, Ihre Tochter kurz vor meinem Höhepunkt abzuweisen und sie aus meiner Wohnung zu verdammen – sie verweigerte die Fellatio. Beschämt verließ sie mein Zimmer. Herr und Frau Meier, ich lobe Ihre Belastbarkeit, wenn Sie mir bis hierhin folgen konnten.
Knapp zwei Tage vergingen, bis sie sich wieder bei mir meldete. Ironischerweise schrieb ihre Tochter in Ihrer Kurzmitteilung, dass es ihr versagt war, meine Ansprüche zu befriedigen. Ich zitiere: „Es tut mir so doll leid was passiert ist ich wünschte wir könnten neu anfang mb Kuss xxx“
Nein, Ihre Tochter leidet nicht an Legasthenie, kurze Schreibweisen sind unter jungen Mobiltelefonnutzern gebräuchlich. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich in meinem Standpunkt – vor allem durch ihre Mitteilung - für meine (im Endeffekt) Überreaktion bestätigt. So wartete ich zwei Tage, ehe ich mich bei Ihrer Tochter meldete, da sie in dieser Zeit mehrfach versuchte mich zu erreichen, ich es aber für angemessen hielt, sie für Ihre sexuelle Inkompetenz mit Ignoranz zu bestrafen.
Ich verabredete mich Ihr an einem Freitagabend, um uns in einer Diskothek zu amüsieren. Vielleicht koennen Sie sich ja daran erinnern. Es war der Abend, als ich Ihre Tochter von Ihnen abholen wollte, sie aber noch nicht zeitig fertig war.
So zog ich es vor – ich gestehe Geduld war noch nie meine Stärke – ohne auf sie zu warten, in das von uns verabredete Etablissement zu gehen. Sie wisse ja, wo sie mich finden könne, schrieb ich in einer Kurzmitteilung. Während ich eine knappe dreiviertel Stunde auf Ihre Tochter wartete, mischte ich mich derweil alleine unter die Leute und suchte einen weiblichen Gesprächspartner suchte, der mir helfen sollte, die Zeit totzuschlagen, kam ich diesem vermeintlichem Zeitvertreib unweigerlich näher. Ihre Tochter wusste erst davon, als Freundinnen von ihr mich mit dieser Frau umschlungen sahen. Natürlich leugnete ich eine Liaison mit einer Unbekannten, da ich darauf plädierte, es mache keinen Sinn, lange auf jemanden zu warten, mit dem ich im Endeffekt doch nichts zu tun haben will. Wir verbrachten an und für sich eine gute und angenehme Zeit im Club. Ich wurde zärtlich zu ihr und begann sie allmählich in mein Herz zu schließen. Ja, meine Dame, mein Herr, ja, ich war in sie verliebt. So kam es, dass wir einander Zeit mit nächtlichen Telefonaten verbrachten oder viel unternahmen – das eben was sich zwei liebende am meisten schenkten.
Doch nahm die Beziehung zu ihr immer mehr an Aufregung ab. So hielt sie mir – berechtigterweise – vor, ihr gegenüber nicht ehrlich genug zu sein. Ich gestehe: Ja, ich habe während sie daheim blieb und von mir schwärmte, oft mit anderen Frauen geflirtet. Ihr versagte ich jedoch auch nur jeden anzüglichen Blick oder Kommentar über andere Vertreter meines Geschlechts. Wir waren einfach zu lange zusammen. Ich hätte nie gedacht, dass ich in den zwei Wochen Beziehung mich heimlich einer anderen Frau zuwenden würde: Ihrer besten Freundin.
Ja es war hart für uns beide, so hielt ich diese Affäre zwei lange Wochen weiter geheim, bis ihre Tochter eines Abends von Trauer und Entsetzen gepeinigt vor meiner Wohnungstür stand. Ja ich stellte mich diesen Vorwürfen, und ja ich versprach Ihrer Tochter auch mich endgültig zu ändern. Dennoch mied ich für weitere zwei Tage den Kontakt mit ihr, Weniger aus Scham. Ich kam unserer Resolution nicht nach. Denn irgendetwas an ihrer Freundin fand ich aufregender. Vielleicht weil sie reifer war. Vielleicht, weil ich – im Gegensatz zu Ihrer Tochter – bereit war, meine Errungenschaften mit meinen besten Freunden zu teilen. Oder es war schlicht der Analverkehr, der mir eine neue Dimension des sexuellen Interpretationsspielraums aufgezeigte.
Ich hielt es jedenfalls nicht aus, diese Last der Zwietracht weiter auf meinen Schultern zu tragen. So beendete ich die Beziehung nach unglaublichen vier Wochen und zwei Tagen mit einer prägnanten aber dennoch emotionalen SMS: „Du hast nie zeit mir zuzuhören und flirtest mit anderen kerlen. Ich mach schluss. Hdl“
Ich rammte ihr den Dolch der Enttäuschung hinterhältig in ihr von Hoffnung erfülltes Herz. Wer sollte Ihre Tochter nun Trost und Beistand schenken?
Ihre beste Freundin? Jene Freundin, die unweigerlich mitschuld an dieser unerträglichen Seelenpein trug? Nein! Ich denke ich sollte es sein. Ich bin es, in dem ich Ihnen, Herr und Frau Meier, diesen Brief zukommen lasse, der Sie dazu bringen soll, mich nicht als „penisgesteuertes Monster“ dastehen zu lassen, denn ich bin kein Monster und auf der anderen Seite als denjenigen, den Ihre Tochter ihre Lebenszeit schenkte und Einsichtig seine Missetaten bereut.
Herr Meier, ich kann mir vorstellen, wie hart es für einen Mann sein muss eine Tochter zu haben, die gerade beginnt sexuelle Erfahrungen sammelt. Denn immer wenn Ihre Tochter mit mir morgens zum Frühstückstisch gingen, und wir beide uns zu Ihnen und Ihrer Frau gesellten, hatte ich stets im Gedanken: „Ja Alter! Sieh dir deine Tochter an, wie sie jetzt lächelt und von ihrer Matheprüfung redet. Vorhin hat sie mit ebendiesem Mund Chaka Zulus Speer poliert und Dinge geschrieen, die du als‚ gesperrte Suchbegriffe im Internet’ aufgelistet hast.“
Wenn ich Ihnen zum Anschluss einen Tipp geben darf: Wenn Sie einen Sohn haben wollen, sagen Sie mir bescheid. Ich schiebe Frau Meier einen wahren Mann in die Röhre. Es klappt immer. Garantiert.
Mit größtem Respekt,
Vice Williams






