“Was mache ich bloß falsch…?”

“Was mache ich bloß falsch…?”

Der Raum, der dich umgibt, ist stockdunkel. Auf dem Boden liegt der Putz, der sich im Laufe der Zeit von den grau-weißen Wänden gelöst hat. Licht sucht man verzweifelt, wenn man Stufe für Stufe die hölzerne Kellertreppe betritt. Vom Knartschen will der Vermieter zwar nichts gewusst haben, doch selbst du belehrst dich jetzt eines Besseren. Eine 60 Watt-Glühlampe erscheint überfordert in ihrer Aufgabe darin, den ganzen düsteren Keller mit Licht zu füllen. Man muss kein Seemann sein, um von der Belastbarkeit des Flaschseils überzeugt zu sein und – Schande dir – du hast den guten Esszimmerstuhl mit deinen Schuhen beschmutzt. Da bist du nun, den Hals in eine Schlaufe gesteckt. Trete den Stuhl weg und alles, denn deswegen hast du so sorgsam alles zusammen gesucht, alles kann jetzt beendet werden. Sollen deine letzten Worte bedacht gesprochen sein:

“Was mache ich bloß falsch?”

Nun ja, wenn du dich klug anstellst, kannst du ERST das Seil von deinem Hals entfernen, und danach vom Stuhl steigen. Mutter wird zwar wenig von den Schuhabrücken begeistert sein, aber es ist alle Mal besser als Filius im Keller baumeln zu sehen. Und außerdem kannst du noch nach der Antwort auf deine Frage suchen.

Frauen sind kompliziert. Das steht selbst in der Bibel geschrieben. Neu ist diese vermeintliche Tatsache von daher keineswegs. Dass der Erfolg bei ihnen von bestimmten Faktoren abhängt, die du lieber nicht hättest erfüllen sollen, ist dir jedoch neu. Vice begleitet dich auf deine Fehlersuche, mein Sohn.

Ich mache Fehler und habe sie auch immer gemacht. Schön ist es zwar nicht, aber ich sehe eine Notwendigkeit darin, sie dennoch zu machen. Man will schließlich besser werden. Ich erinnere mich. Zu meiner Teenager-Zeit hatte ich viele weibliche Freundinnen – gute Freundinnen. Ja, ich wollte sie vögeln, würde es auch jetzt noch in Betracht ziehen, ich bin doch nicht bekloppt. Dennoch hasse ich mich eben dafür, dass sie mich ständig als jemanden bezeichnet hatten, mit “dem man so gut reden kann und der so toll zuhört.” In der Disco sah ich dann Ms. King Kongs Fehlgeburten, wie sie sich erfolgreich an meine besten Freundinnen rangeschmissen haben. Nein! Bewusst soll mir das nicht mehr passieren. Nie wieder werde ich einer Frau mein sexuelles Interesse an ihr verschweigen.

Fehler: Ich habe nicht die Karten auf den Tisch gelegt, sondern darauf gewartet, dass “es” einfach so passiert. Der “gute Vice” war nur vorgetäuscht – mehr aus Angst vor Zurückweisung, als aus Respekt vor ihren Gefühlen.

Apropos Respekt: Du möchtest mit eben diesem behandelt werden, nicht wahr? Tja, steinig ist der Weg ihn zu verdienen, dafür musst du aber auch felsenfest davon überzeugt sein, ihn nicht fahrlässig zu verlieren. Ich liebe Frauen, aber nicht leichtsinnig. Meine Liebe zu ihnen ist von Respekt geprägt. Wenn ich eine Frau auf der Straße, Disco, etc. sehe und sie ist für mich optisch mit dem Prädikat “heiß” versehen worden, sage ich es ihr. Einmal geschehen im Club: Da stand sie, ein wahrlich bezauberndes Wesen, mit ihren Freundinnen. Ich ging zu ihr und sagte ihr, dass ich sie sehr hübsch finde und ich von ihrer Art beeindruckt bin. Ich erfragte ihren Namen. Doch sie drehte sich zu ihrer Gruppe, machte eine abfällige Handbewegung á la “was will der denn” und antwortete dreist: “Verzieh dich!”

Ja, in jungen Jahren war so etwas der Dolchstoß für mich. Aber diese Respektlosigkeiten, darf sich ein Mensch mit Sinn für Selbstwert und Anstand nie über sich ergehen lassen. Zwar war ich empört über ein solches Verhalten, aber ich wies sie besonnen und sachlich zurecht:

“Hey, dein Verhalten ist respektlos und inakzeptabel. Ich habe mich dir gegenüber höflich benommen und du meinst wirklich, dass du so asozial mit mir umspringen kannst?! Dafür bin ich der Falsche. Mach’s gut!”

Gerade war ich dabei sie und ihre Gruppe zu endgültig zu passieren, da griff sie mir an den Arm und sagte, dass sie sich entschuldigen möchte. Sie hätte gedacht, dass ich nur ein weiterer Wichtigtuer sei, der nur  stumpf Anmachen herunterrasselt. Sie wolle das Gesagte wieder Gut machen. So genoss ich einen Drink von und mit ihr. Ein Küsschen und ihre Handynummer dienten mir als Entschädigung.

Respekt in einer Gesellschaft ist wichtig und sollte niemals unterschätzt werden. Damit dass du anderen Personen deine Grenzen aufzeigst, und die der anderen im gleichen Maße achtest, festigst du dein Bild von einem sozial intelligenten Menschen – eine Eigenschaft, die Führungspersonen im Laufe der Jahrtausende gekennzeichnet hat und es noch weiter sollte.

So, du kannst langsam wieder vom Stuhl heruntersteigen. Zwar sind noch nicht all deine Fehler geklärt, dennoch sind wir auf dem besten Wege, nicht wahr?

Vice.

~ von Vice am 17 April, 2008.

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