„Was mache ich immer noch falsch….?“
„Was mache ich immer noch falsch….?“

Suicide Bounce
In deinem Garten sitzt du. Im grünen Liegestuhl versunken, lauscht du dem zwitschern der Vögel, die durch die Äste rascheln und versuchen, sich gegenseitig die besten Beeren streitig zu machen. Langsam streifst du erst deine Hausschuhe, dann deine Socken ab. Es ist ein wundervoller Tag, dennoch behälst du eine gewisse Gleichgültigkeit inne. Dass du von Glückspiel nichts verstehst, ist dir ebenso egal, wie das, was um dich herum geschieht. Denn wer sonst würde russisches Roulette mit sechs Kugeln in der Trommel spielen? Man könnte auch meinen, dass du weniger das Glück herausfordern wolltest, als dass du meinst, deine penible und vorsichtige Art erneut unter Beweis stellen zu müssen. Langsam holst du Vaters Revolver aus der Zeitung vom Vortag hervor. Das Rascheln des Nachrichtenblatts wird übertont von dem Rascheln der Blätter, die seicht im Wind gewogen werden. Du nimmst das Eisen in die Hand und ziehst den Hammer zurück. Der Revolver ist entsichert und der Zeigefinger am Abzug. Bis dahin warst du doch ziemlich souverän, was auf dein bisheriges Leben eher nicht zutraf. Jetzt holt dich deine Unsicherheit allerdings wieder ein. „An die Schläfe, oder in den Mund?“
Hälst du die Knarre an die Schläfe, so wird Mutter feststellen, dass du ihre reinweißen Zuchtrosen unwideruflich mit deinem Blut rot gefärbt hat. Keiner im Kleingartenverein wird sie noch haben wollen. Oder in den Mund? Nun, das neue Sonnensegel bietet danach zwar den selben Schutz vor der Sonneneinstrahlung, doch Mutter würde übel werden, sähe sie dein Kleinhirn und einige Schädelsplitter darin kleben. Deine berühmten letzten Worte hast du überarbeitet:
Was mache ich immer noch falsch?
Nun, mein Sohn, leg die Waffe beiseite. Denn egal wie effizient du dich auch umbringst, das Bestattungsunternehmen wird deine demolierte Visage ohnehin nicht ganz restaurieren können. Beerdigung im Glassarg also ausgeschlossen.
Beim letzten Mal brachte ich dir bei, dass du mit deinen Gefühlen nicht heuchlerisch umgehen solltest. Man verlangt nicht von dir, dass du jedem jede deiner Sorgen und Gefühle offenbarst. Du bist ein Mann, vergiss das nicht! Aber wenn es um deine Sexualität geht, verleugne sie – verdammt noch mal – nicht, wenn du auch sexuelles Interesse an einer Frau hast. Redest du zu ihr wie ein Freund, dann bist du und bleibst für sie ein Freund und dann bist du raus. Basta!
Ach ja und die Sache mit dem Respekt. Lass dich niemals von irgendjemandem entwerten. Lässt du das nämlich zu, offenbarst du ein schwaches Selbstwertgefühl. Das heißt aber nicht, dass du jetzt deine Ellenbogen herausfahren musst. Denn Überlegenheit spiegelt sich oft in dem wieder, was andere bewahren, aber du bewahrheitest.
Weißt du mein Sohn, als ich so alt war wie du, kannte ich noch Grenzen. Ich habe es nie für möglich gehalten, in der Disco einer fremden Frau zu sagen, was für ein versautes Miststück sie doch sei, ihr bei dem Make-out den Büstenhalter zu öffnen und ihre Brustwarzen zu lecken oder auf der Tanzfläche unter ihren Rock zu greifen, den String beiseite zu schieben und ihre Schamlippen zu massieren. Vielleicht lag das daran, dass ich über Nacht alle romantischen Visionen über den Haufen warf und begann, anstatt abgestumpfter Dialoge der Sorte Kitschige-Frauen-Romanze einfach direkter und ehrlicher meiner und der Sexualität der Frauen gegenüber war. Das Stichwort lautet Souveränität!
Nach Monaten der Rückschläge habe ich gelernt derlei Sachen als „normal“ anzusehen. Frauen selektieren nämlich schnell den Fahranfänger vom F1-Piloten – und das auch zu Recht. Denn ich würde es einer jungen Frau kaum zumuten wollen, sich von jemandem auf Touren bringen zu lassen, der vorher zweimal abwürgt – lieber jemanden, der beim manövrieren der Haarnadelkurve einen sicheren und kühlen Geist ausstrahlt. Das hat direkt nichts mit Erfahrung zu tun, sondern eher mit dem Gedanken, selbst der Herr über jede Situation zu sein, selbst wenn sie dir auch neu ist.
Also mein Junge, Souveränität ist das Ergebnis unzähliger Feuertaufen. Wenn du dich nun öfters mit ein wenig mehr Risikobereitschaft und der Einstellung nichts verlieren zu können in die Clubs wagst – denn zu verlieren hast du im Club wirklich nichts – dann klappt es auch mit den Geschichten für deinen Weblog.





groß.