Die letzte Zigarette
..Die letzte Zigarette..
…sie schmeckt anders, als die Siebzehn, die ich zuvor aus der Schachtel rupfte. Beinahe leichter, aber befreiender dafür um kein Bisschen. Eine etwas ironische Wertschätzung, von fünf Minuten des Todes, in denen man raue, die Kehle schmirgelnde Luft einatmet, ausbläst, einatmet, ausbläst…
Zwischen Ziegefinger und Daumen sollte für einen Autor im Grunde nur Platz für einen Kugelschreiber sein. Wer sich mit dem Wesen eines Schriftstellers schon einmal auseinandergesetzt hat, weiß, dass gerade zwischen diesen zwei Fingern Elemente der Versuchung und Ablenkung Posten bezogen haben. Ein Vierzentiliterglas, gefühlt mit Wodka, die weichen Schamlippen einer Frau, oder eben eine Zigarette. Wie viele Handlungen und Geschichten ich diesen beiden Fingern zu verbuchen habe; in der Bilanz stellen sie als Abschreibungen einen nicht nennenswerten Wert dar.
Dreiviertel der Kippe sind weggeraucht, das Zimmer stinkt. Idealistische Überlegungen finden beim Rauchen keinen Platz. Nicht bei mir. Denn was ist ein Weltverbesserer, der sich so rücksichtslos gegenüber seiner eigenen Gesundheit verhält? Bei der Hälfte der Zigarette und nach mehrmaligem Abaschen, merke ich, dass die zu Wörtern und Phrasen gereihten Lettern langsam eine absurde philosophische Dichte annehmen. Es ist ungewollt und es gefällt mir nicht. Ich beginne darüber nachzudenken, ob ich mich noch auf den zum nächstliegenden Zigarettenautomaten zu machen sollte. Donnerstag, 1 Uhr und dreißig Minuten, Status quo. Aber nein, huscht ein Gedanke in meinem Kopf, ohne eine Fährte einer nachvollziehbaren Begründung zu hinterlassen.
Noch zwei Züge, wenn’s hochkommt drei. Ich mag nicht verschwenderisch sein, nicht beim Anblick der letzten lächerlichen Zigarette. Mittlerweile ragt sie wie ein kleiner verkümmerter Fortsatz zwischen Daumen und Zeigefinger heraus.
Ich atme noch einmal die schmirgelnde Luft ein, und aus, ein und aus, zerdrücke den ockerfarbenen Filter auf den anderen siebzehn Kippen, die sich im Aschenbecher zu anschaulicher Größe aufgetürmt haben.
Erstaunlich dann doch; ein voller Aschenbecher als Indikator für gewissenhaftes Arbeiten.
Bin eben Zigaretten holen – gleich wieder da.





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