Kompliziertes Leben…..= …..Bad Boy?!

•22 Juli, 2008 • 3 Kommentare

Dieser Artikel wurde von meiner Freundin Kaja verfasst

Seit einiegen Tagen denke ich darüber nach warum das Leben so kompliziert ist bzw. ob es wirklich kompliziert sein muss….? Wenn wir mal ehrlich sind könnte unser Leben einfach verlaufen ohne jegliche Dramen und sonstige Zwischenfälle.

Vor einigen Tagen diskutierte ich dieses Problem mit einem sehr guten Freund von mir. Wir sind zu der These gekommen, dass das Leben an sich einfach verlaufen könnte, wenn man es sich nicht schwer machen würde. Warum machen wir Menschen unser Leben absichtlich schwerer? Naja die Antwort ist so plausibel, dass sie schon fast albern klingt: Wir möchten es interessant haben.
Wir lieben komplizierte Sachen , denn wenn wir keine Probleme hätten worüber sollten wir unser Leben lang sprechen? Es ist langweilig stets zu hören wie toll doch alles läuft. Selbst das Fernsehen greift dieses Problem auf und veranstaltet inszinierte Dramen in 1000 von Soaps. Sowas wollen wir Leute nämlich sehen. Wir lieben es kompliziert und dramatisch.
Als ich anfing über diese Gegebenheit nachzudenken kam ich auf einen weiteren Gedanken. Wenn wir Menschen bzw. Frauen es kompliziert haben möchten nehmen wir deswegen stets den Bad Boy anstelle des perfekten Schwiegersohnes?
Ich glaube eine jede Frau war schon in dieser Situation und wirklich jede Frau entscheidete sich IMMER für den Bad Boy. Warum handel wir so? Es ist doch vorherzusehen, dass es mit Kummer und Schmerz enden wird.
Frauen verlieren, dann das Interesse an einem Mann, wenn sie das Gefühl haben, dass sie alles unter Kontrolle haben. Wer möchte schon so etwas? Niemand!
Dieses Verhalten führt zu dem Bad Boy. Bei ihm kann sich eine Frau niemals sicher sein was als nächstes passieren könnte. Er ist der Mann, der alles in die Hand nimmt. Er ist der Mann, der die Initiative egreift. Er sagt wo und wann und was man machen könnte. Tja für den ersten Moment ist dies vielleicht eine willkommende Abwechslung. Doch in Wirklichkeit gehen gerade in dieser Phase die Alarmglocken los. Na klar entscheidet er alles, weil er in Wirklichkeit keinen Bock darauf hat, dass die Frau das Ruder in die Hand nimmt. Er will entscheiden, damit der die Kontrolle behält. Wer die Kontrolle besitz kann nicht verletzt werden.
Wenn er die gesamte Kontrolle besitz, wer gibt dann der Frau die garantie nicht verletzt zu werden? Niemand! Eigentlich kommt man dann zu einem absurden Ergebnis. Kann man nur glücklich werden, wenn beide Parteien dem anderen es erlauben die Kontrolle über einen zu besitzen? Tja das nennt man wohl Liebe. Wer liebt geht das Risiko ein verletzt zu werden. Aber wer schon mal geliebt hat, weiß das es das Risiko wert war.

Ein Spiel mit dem Bad Boy ist ein Teufelskreis. Immer wieder lässt man sich auf seine interassanten Spielchen ein. Man liebt den spontanen Lebensstil und freut sich aus den gewohnten Alltag entflohen zu sein. Leider merkt man zu spät, dass der gewohnte Alltag etwas ist, was man eigentlich will. Denn man muss ja seine Zukunft mit irgendjemaden verbringen und ein gewohnter Alltag ist nicht das Ende einer Beziehung. Wenn man es ganau nimmt ist es der Anfang.
Der Klu bei der Sache ist es seinen gewohnten Alltag so herzurichten, dass es zu einem liebenden und geliebten Leben wird. Denn wie sollte man sonst eine Familie gründen und bis an sein Lebensende glücklich werden ohne einen gewohnten Alltag. Das ist schier unmöglich.

Brief an Frau und Herrn Meier

•17 Juli, 2008 • Kommentar schreiben

Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Meier,

Belogen und Betrogen - Nun muss die Entschuldigung her

Belogen und Betrogen - Nun muss die Entschuldigung her.

in diesem Schreiben möchte ich mich offenkundig für mein Fehlverhalten Ihrer Tochter gegenüber entschuldigen.

Auch wenn ich es ungern zugebe, muss ich gestehen, dass ich ein Paradebeispiel dessen bin, was die Gesellschaft als „Verfall der Romanik“ anprangert. Das Drama fing an, als ich Ihre Tochter am Silvester letzten Jahres kennen lernte. Während der groß angelegten Neujahrsfeier bei einem gemeinsamen Freund kamen wir uns unter dem flammenden Firmament nahe. Meine Gefühle verlangten nach weiblicher Gegenwart. Wie Sie vielleicht wissen, Herr Meier, sind diese im Rausch des Alkohols gänzlich andere – sexueller Art.

Ihre Tochter viel mir direkt ins Auge. So kam es, dass wir uns nach einigen Minuten innig küssten und nicht voneinander ließen. Nun Herr und Frau Meier, mag man das als ziemlich romantisch betrachten, gäbe es nicht noch einen zweiten Teil. Ich bitte Sie sich diesen, trotz der in Ihren Augen obszönen und abstoßenden Inhalte, nicht zu überspringen, da es für den weiteren Verlauf meines Schuldgeständnisses eine unverzichtbare Grundlage bildet.

Ich lud Ihre Tochter auf einen Tee zu mir nach Hause ein. Jedoch hatte ich schon fest im Hintergedanken, sie zu verführen. So kam es, dass wir, das wir im Bett landeten und vier verschiedene Sexstellungen austesteten und so die Penetration in unser beider Interesse doch recht vielfältig war (Missionar, Doggystyle, Wiener Auster, Löffelchen). Die Begattung Ihrer Tochter zog sich in die Länge und war intensiv. Doch erlaubte ich mir die Unverschämtheit, Ihre Tochter kurz vor meinem Höhepunkt abzuweisen und sie aus meiner Wohnung zu verdammen – sie verweigerte die Fellatio. Beschämt verließ sie mein Zimmer. Herr und Frau Meier, ich lobe Ihre Belastbarkeit, wenn Sie mir bis hierhin folgen konnten.

Knapp zwei Tage vergingen, bis sie sich wieder bei mir meldete. Ironischerweise schrieb Ihre Tochter in ihrer Kurzmitteilung, dass es ihr versagt war, meine Ansprüche zu befriedigen. Ich zitiere: „Es tut mir so doll leid was passiert ist ich wünschte wir könnten neu anfang mb Kuss xxx“

Nein, Ihre Tochter leidet nicht an Legasthenie, kurze Schreibweisen sind unter jungen Mobiltelefonnutzern gebräuchlich. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich in meinem Standpunkt – vor allem durch ihre Mitteilung – für meine (im Endeffekt) Überreaktion bestätigt. So wartete ich zwei Tage, ehe ich mich bei Ihrer Tochter meldete, da sie in dieser Zeit mehrfach versuchte mich zu erreichen, ich es aber für angemessen hielt, sie für Ihre sexuelle Inkompetenz mit Ignoranz zu bestrafen.

Ich verabredete mich mit ihr an einem Freitagabend, um uns in einer Diskothek zu amüsieren. Vielleicht koennen Sie sich ja daran erinnern. Es war der Abend, als ich Ihre Tochter von Ihnen abholen wollte, sie aber noch nicht zeitig mit dem Anziehen fertig war.

So zog ich es vor – ich gestehe Geduld war noch nie meine Stärke – ohne auf sie zu warten, in das von uns verabredete Etablissement zu gehen. Sie wisse ja, wo sie mich finden könne, schrieb ich in einer Kurzmitteilung. Während ich eine knappe dreiviertel Stunde auf Ihre Tochter wartete, mischte ich mich derweil alleine unter die Leute und suchte einen weiblichen Gesprächspartner suchte, der mir helfen sollte, die Zeit totzuschlagen, kam ich diesem vermeintlichem Zeitvertreib unweigerlich näher. Ihre Tochter wusste erst davon, als Freundinnen von ihr mich mit dieser Frau umschlungen sahen. Natürlich leugnete ich eine Liaison mit einer Unbekannten, da ich darauf plädierte, es mache keinen Sinn, lange auf jemanden zu warten, mit dem ich im Endeffekt doch nichts zu tun haben will. Wir verbrachten an und für sich eine gute und angenehme Zeit im Club. Ich wurde zärtlich zu ihr und begann sie allmählich in mein Herz zu schließen. Ja, meine Dame, mein Herr, ja, ich war in sie verliebt. So kam es, dass wir einander Zeit mit nächtlichen Telefonaten verbrachten oder viel unternahmen – das eben was sich zwei liebende am meisten schenkten.

Doch nahm die Beziehung zu ihr immer mehr an Aufregung ab. So hielt sie mir – berechtigterweise – vor, ihr gegenüber nicht ehrlich genug zu sein. Ich gestehe: Ja, ich habe während sie daheim blieb und von mir schwärmte, oft mit anderen Frauen geflirtet. Ihr versagte ich jedoch auch nur jeden anzüglichen Blick oder Kommentar über andere Vertreter meines Geschlechts. Wir waren einfach zu lange zusammen. Ich hätte nie gedacht, dass ich in den zwei Wochen Beziehung mich heimlich einer anderen Frau zuwenden würde: Ihrer besten Freundin.

Ja es war hart für uns beide, so hielt ich diese Affäre zwei lange Wochen weiter geheim, bis ihre Tochter eines Abends von Trauer und Entsetzen gepeinigt vor meiner Wohnungstür stand. Ja ich stellte mich diesen Vorwürfen, und ja ich versprach Ihrer Tochter auch mich endgültig zu ändern. Dennoch mied ich für weitere zwei Tage den Kontakt mit ihr, Weniger aus Scham. Ich kam unserer Resolution nicht nach. Denn irgendetwas an ihrer Freundin fand ich aufregender. Vielleicht weil sie reifer war. Vielleicht, weil ich – im Gegensatz zu Ihrer Tochter – bereit war, meine Errungenschaften mit meinen besten Freunden zu teilen. Oder es war schlicht der Analverkehr, der mir eine neue Dimension des sexuellen Interpretationsspielraums aufgezeigte.

Ich hielt es jedenfalls nicht aus, diese Last der Zwietracht weiter auf meinen Schultern zu tragen. So beendete ich die Beziehung nach unglaublichen vier Wochen und zwei Tagen mit einer prägnanten aber dennoch emotionalen SMS: „Du hast nie zeit mir zuzuhörn und flirtest mit andren kerlen. Ich mach schluss. Hdl“

Ich rammte ihr den Dolch der Enttäuschung hinterhältig in ihr von Hoffnung erfülltes Herz. Wer sollte Ihre Tochter nun Trost und Beistand schenken?

Ihre beste Freundin? Jene Freundin, die unweigerlich Mitschuld an dieser unerträglichen Seelenpein trug? Nein! Ich denke ich sollte es sein. Ich bin es, in dem ich Ihnen, Herr und Frau Meier, diesen Brief zukommen lasse, der Sie dazu bringen soll, mich nicht als „penisgesteuertes Monster“ dastehen zu lassen, denn ich bin kein Monster; und auf der anderen Seite als denjenigen, den Ihre Tochter ihre Lebenszeit schenkte und nun einsichtig seine Missetaten bereut.

Herr Meier, ich kann mir vorstellen, wie hart es für einen Mann sein muss eine Tochter zu haben, die gerade beginnt sexuelle Erfahrungen zu sammelen. Denn immer wenn Ihre Tochter mit mir morgens zum Frühstückstisch ging, und wir beide uns zu Ihnen und Ihrer Frau gesellten, hatte ich stets im Gedanken: „Ja Alter! Sieh dir deine Tochter an, wie sie jetzt lächelt und von ihrer Matheprüfung redet. Vorhin hat sie mit ebendiesem Mund Chaka Zulus Speer poliert und Dinge geschrieen, die du als ‘gesperrte Suchbegriffe im Internet’ aufgelistet hast.“

Wenn ich Ihnen zum Anschluss einen Tipp geben darf: Wenn Sie einen Sohn haben wollen, sagen Sie mir bescheid. Ich schiebe Ihnen, Frau Meier, einen wahren Mann in die Röhre. Es klappt bei mir immer. Garantiert.

Mit größtem Respekt,

Vice Williams

Meine Mona Lisa

•8 Juli, 2008 • Kommentar schreiben

Meine Mona Lisa

„Ich widme diesen Beitrag all denen, deren größte Gabe ihre Schöpferkraft ist.“

Meine Mona Lisa von Konstantin Dahlem

Meine Mona Lisa von Konstantin Dahlem

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Leonardo da Vinci mit seinem Meisterwerk die „Mona Lisa“, das Portrait mit dem wohl sagenumwobesten Lächeln der Welt, alles andere als zufrieden wäre. Es ist nur eine wage Behauptung, aber ich denke ich spreche im Namen vieler kreativer Köpfe. Denn insgeheim haben wir uns geschworen, unsere nächsten Bücher und Texte, Fotografien und Grafiken, Lieder und Gedichte, ja sogar unsere Bauskizzen und Konstruktionspläne, optimaler zu gestalten, als die vorigen.

Der erste Kreative, der in vielen Büchern unterschiedlicher Kulturen genannt wurde, soll dieses Universum in Sieben Schritten errichtet haben – denn auch er (oder sie?) strebte nach gewisser Vollkommenheit seiner Werke.

Die Schöpferkraft wurde im antiken Griechenland, ja sogar im kriegerischen Sparta, höchst angesehen. In Chinas Reichen stand die Kalligraphie der Schwertgroßmeisterschaft praktisch gleich. In Afrika verzichteten Stämme über Jahrhunderte auf schriftliche Archive. Die Historie vieler schwarzafrikanischer Völker wurde in ihren Liedern und Gesängen festgehalten und überliefert. In Süd- und Mittelamerika fronen die Überreste ausgelöschter Staaten von einer einst mächtigen Kultur, die herrschte, ehe der „neue Kontinent“ überhaupt Erwähnung in den Schriften der alten fand. Vielleicht kann man sagen, dass diese Schöpferkraft – Kreativität – unser Motor ist, über den Tod hinaus noch Existent zu sein.

Es war verregneter Julimontag. Zum Teufel mit dem deutschen Sommer, ist eigentlich der passende Spruch für einen Afrikaner wie mich. Im Winter will es nicht mehr schneien und im Sommer pisst es wie aus Kübeln. Ich spazierte von der Berufsschule, durch den Park in Richtung Heim. Kaum zwanzig Minuten Fußweg, von denen ich praktisch fünfzehn mit dem Rafting-Kanu hätte hinter mir lassen können. Über mir grollte der Himmel, als hätte der Gott höchstpersönlich seine neue Bowlingbahn mit einem Strike eingeweiht.

Nach diesem Schultag gab es nichts bessers, als eine Zigarette zu rauchen und zu genießen. Doch durch den herabstürzenden Regen ließ sie sich kaum ziehen – wie eine Eisenbahnlok von Elton John -, und suchte deshalb unter einer Bedachten Brücke einen Unterschlupf.

Ich führte das Feuerzeug zur Kippe und verschwand mit dem ersten Inhalieren in diffusen Gedanken. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde mir – unter dem Donner des Himmels – klar, mit welchem Talent ich gesegnet worden bin: Meine Kreativität.

Dabei bringe ich sie jeden Tag, Stunde über Stunde, in meiner Arbeit als Journalist zum Ausdruck. Verdammt?

Habe ich diese Gabe wirklich so vernachlässigt, als dass ich sie für nichts weiter, als einen SoftSkill halte? Eine Floskel, die ich in Bewerbungen hineinschrieb, ohne ihren Wert zu schätzen?

Dabei war ich ein so talentierter Rap-Musiker und Produzent. Musik, meine Leidenschaft, war etwas, womit ich viele berührt und in manchmal auch harten Zeiten motiviert habe – mich selbst eingeschlossen.

Ich beobachte, wie der Pegel des Flusses allmählich ansteigt, und die Strömung mehr und mehr an Geschwindigkeit gewinnt.

Lyrik! Es war etwas, dass ich – wir – doch so vielen nahe brachten, als wäre es die selbstverständlichste Form zu Sprechen und zu Hören. Ich hatte es drauf, dachte ich mir als ich mittlerweile mehr als die Hälfte der West-Kippe weggeraucht habe. Und ein Redner, mit Herzblut. Sprach ich, kehrte Stille ein, wie auf dem Totenacker. Und jetzt? Titten! Bumsen und Vagina? (Na ja, verzichten möchte ich zwar nicht darauf…ist eigentlich ganz angenehm.)

Es war wirklich unglaublich, wie ich mich selbst überraschte. Denn trotzt meiner vielen Makel, bin ich einer von vielen, die sich glücklich schätzen dürfen, eine Ressource in sich zu tragen, die aus Gedanken, etwas Antastbares, Handfestes und etwas von geistigem Wert herzustellen vermag. Ein Gut, das nicht aus der Erde gefördert wird, aber selbst aus geförderter Erde etwas Gutes macht. Meine Schöpferkraft.

Für mich besteht kein Zweifel darin, dass mein Leben mein größtes Werk sein wird, auch wenn ich rückblickend viele fehlerhafte Pinselstriche entdeckt habe, die meine Mona Lisa nie perfekt werden lassen. Nein, nie perfekt, aber dafür unvergessen.

„Was mache ich immer noch falsch….?“

•7 Juli, 2008 • 1 Kommentar

„Was mache ich immer noch falsch….?“

Suicide Bounce

Suicide Bounce

In deinem Garten sitzt du. Im grünen Liegestuhl versunken, lauscht du dem zwitschern der Vögel, die durch die Äste rascheln und versuchen, sich gegenseitig die besten Beeren streitig zu machen. Langsam streifst du erst deine Hausschuhe, dann deine Socken ab. Es ist ein wundervoller Tag, dennoch behälst du eine gewisse Gleichgültigkeit inne. Dass du von Glückspiel nichts verstehst, ist dir ebenso egal, wie das, was um dich herum geschieht. Denn wer sonst würde russisches Roulette mit sechs Kugeln in der Trommel spielen? Man könnte auch meinen, dass du weniger das Glück herausfordern wolltest, als dass du meinst, deine penible und vorsichtige Art erneut unter Beweis stellen zu müssen. Langsam holst du Vaters Revolver aus der Zeitung vom Vortag hervor. Das Rascheln des Nachrichtenblatts wird übertont von dem Rascheln der Blätter, die seicht im Wind gewogen werden. Du nimmst das Eisen in die Hand und ziehst den Hammer zurück. Der Revolver ist entsichert und der Zeigefinger am Abzug. Bis dahin warst du doch ziemlich souverän, was auf dein bisheriges Leben eher nicht zutraf. Jetzt holt dich deine Unsicherheit allerdings wieder ein. „An die Schläfe, oder in den Mund?“

Hälst du die Knarre an die Schläfe, so wird Mutter feststellen, dass du ihre reinweißen Zuchtrosen unwideruflich mit deinem Blut rot gefärbt hat. Keiner im Kleingartenverein wird sie noch haben wollen. Oder in den Mund? Nun, das neue Sonnensegel bietet danach zwar den selben Schutz vor der Sonneneinstrahlung, doch Mutter würde übel werden, sähe sie dein Kleinhirn und einige Schädelsplitter darin kleben. Deine berühmten letzten Worte hast du überarbeitet:

Was mache ich immer noch falsch?

Nun, mein Sohn, leg die Waffe beiseite. Denn egal wie effizient du dich auch umbringst, das Bestattungsunternehmen wird deine demolierte Visage ohnehin nicht ganz restaurieren können. Beerdigung im Glassarg also ausgeschlossen.

Beim letzten Mal brachte ich dir bei, dass du mit deinen Gefühlen nicht heuchlerisch umgehen solltest. Man verlangt nicht von dir, dass du jedem jede deiner Sorgen und Gefühle offenbarst. Du bist ein Mann, vergiss das nicht! Aber wenn es um deine Sexualität geht, verleugne sie – verdammt noch mal – nicht, wenn du auch sexuelles Interesse an einer Frau hast. Redest du zu ihr wie ein Freund, dann bist du und bleibst für sie ein Freund und dann bist du raus. Basta!

Ach ja und die Sache mit dem Respekt. Lass dich niemals von irgendjemandem entwerten. Lässt du das nämlich zu, offenbarst du ein schwaches Selbstwertgefühl. Das heißt aber nicht, dass du jetzt deine Ellenbogen herausfahren musst. Denn Überlegenheit spiegelt sich oft in dem wieder, was andere bewahren, aber du bewahrheitest.

Weißt du mein Sohn, als ich so alt war wie du, kannte ich noch Grenzen. Ich habe es nie für möglich gehalten, in der Disco einer fremden Frau zu sagen, was für ein versautes Miststück sie doch sei, ihr bei dem Make-out den Büstenhalter zu öffnen und ihre Brustwarzen zu lecken oder auf der Tanzfläche unter ihren Rock zu greifen, den String beiseite zu schieben und ihre Schamlippen zu massieren. Vielleicht lag das daran, dass ich über Nacht alle romantischen Visionen über den Haufen warf und begann, anstatt abgestumpfter Dialoge der Sorte Kitschige-Frauen-Romanze einfach direkter und ehrlicher meiner und der Sexualität der Frauen gegenüber war. Das Stichwort lautet Souveränität!

Nach Monaten der Rückschläge habe ich gelernt derlei Sachen als „normal“ anzusehen. Frauen selektieren nämlich schnell den Fahranfänger vom F1-Piloten – und das auch zu Recht. Denn ich würde es einer jungen Frau kaum zumuten wollen, sich von jemandem auf Touren bringen zu lassen, der vorher zweimal abwürgt – lieber jemanden, der beim manövrieren der Haarnadelkurve einen sicheren und kühlen Geist ausstrahlt. Das hat direkt nichts mit Erfahrung zu tun, sondern eher mit dem Gedanken, selbst der Herr über jede Situation zu sein, selbst wenn sie dir auch neu ist.

Also mein Junge, Souveränität ist das Ergebnis unzähliger Feuertaufen. Wenn du dich nun öfters mit ein wenig mehr Risikobereitschaft und der Einstellung nichts verlieren zu können in die Clubs wagst – denn zu verlieren hast du im Club wirklich nichts – dann klappt es auch mit den Geschichten für deinen Weblog.